RTF – Mittwoch 25. Juli 2018

„Zeitreise zum Keltenfürsten“

Streckenbeschreibungen
(Bitte Bilder zum Vergrößern anklicken)

Die Chance, sich in der Nähe des Vereinssitzes an einem bundesweiten Radsportevent, dem Bundes-Radsdport-Treffen zu beteiligen, haben wir im RC 03 Ilbenstadt am Schopf ergriffen und kurzerhand eine RTF geplant. Das Radtourenportal GPSies hat uns bei der Planung unterstützt und gibt euch alle Informationen rund um Streckenführungen, Entfernungen und Höhenmeter bis ins kleinste Detail. Doch wozu jetzt noch die Strecke beschreiben? Hier sind wir schnell bei einem bunten Strauß unterschiedlichster Motivationen, die uns in den Sattel bringen und pedalierend uns selbst und die Welt erfahren lassen. Anlässlich einer RTF scheidet wohl der reine Fortbewegungsgedanke aus. Rein sportiv ausgerichtete Pedaleure sind mit GPSies gut bedient, auf Selbsterfahrungstrips und seelischen Ausgleich bedachte Geister nutzen die Richtungspfeile, allen, die Landschaften kennnlernen , sich diese aus verschiedenen Blickwinkeln neu erschließen wollen oder sich für Besonder- und Eigenheiten einer Region interessieren, denen sei hier die ein oder andere Anregung gegeben.

Zentrales Element in unserer Planung war der Glauberg mit dem Keltenfürsten. Ein Anlass, der uns anregt, den Blick auf die Historie von Kinzigau, Wetterau und Vogelsberg zu lenken, die an vielen Stellen aufmerksamen Zeitgenossen nicht lange verborgen bleibt. Viele Kulturen habe in den Jahrtausenden in unserer Region Spuren hinterlassen. Die zentrale Lage, der fruchtbare Boden und sicherlich militärische Optionen zogen viele an, von denen stellvertretend Kelten, Römer und die nachfolgenden, mittelalterlich geprägten Bevölkerungsgruppen genannt sein sollen. Ein ausgeprägtes Wegenetz mit überregionalen, ja europäischen Bezügen war Rückhalt und Motor von prosperierenden Gemeinwesen, so wie wir das in heutiger Zeit ebenfalls empfinden (siehe auch: www. altstraßen-in-hessen und www.altwege.de)

Schloßpark in Langenselbold

Starten wir in Langenselbold am Rande des Kinzigtales. 1108 erstmals urkundlich erwähnt; Graf von Selbold-Gelnhausen gründete das Kloster Selbold. Über Heirat, einem probaten Mittel des Machterhaltes und deren Ausbau, erlangte der Graf auch Besitz in Thüringen und man vermutet ihn mit seiner Gattin Adelheid sogar unter den Stifterfiguren des Naumburger Domes. Wir bewegen uns nun nordwestlich in die Wetterau hinein, nehmen die erste Verpflegung am Kontrollpunkt in Eichen an und streben Ilbenstadt entgegen. Weithin sichtbar ist der „Wetterauer Dom„, die 1159 geweihte Abteikirche Maria, St. Peter und Paulus. Ein sakraler Nachfolgebau einiger historischer Vorläufer, dessen Besichtigung von Architektur, Ausstattung, insbesondere mit der heute noch in Betrieb befindlichen Onimus-Orgel lohnt. Das 1123 von Gottfried von Cappenberg gestiftete Prämonstratenserkloster – die älteste geistliche Niederlassung in diesem Raum –  prägte bis zur Säkularisierung 1803 das weltliche und geistliche Leben in der Wetterau. Wir machen hier einen kleinen Schwenk und fahren durch den Gottfriedsbogen an Kloster und Basilika vorbei und weiter in die nördliche Wetterau. Außerhalb der Ortslage von Dauernheim ist der nächste Halt an der zweiten Kontroll- und Verpflegungsstelle eingeplant.

   
„Wetterauer Dom“ in Ilbenstadt  Kloster Ilbenstadt – Gottfriedsbogen

Über Ortenberg und Bergheim, den östlichsten Punkten unserer Tour, schwenken wir wieder südwestlich nach Glauberg ab. Nach dem Ortsende sind Kletterkünstler im Vorteil, kurz und knackig pedalieren wir auf den Glauberg, werden am Museum der Keltenwelt mit einem tollen Blick ins Land belohnt und können während der Kontroll- und Verpflegungszeit die Geschichte in uns aufnehmen. Hier kommen auch die Teilnehmer unserer 82-Kilometertour an, denen wir dieses Highlight nicht vorenthalten wollten.

Museum „Keltenwelt am Glauberg“ Blick vom Museum in Richtung Süden

Während das Plateau bereits Mitte des 5. Jahrtausends v. Chr. besiedelt war, befestigten die Kelten den strategisch wichtigen Punkt etwa im 6. oder 5. Jahrhundert v. Chr. An der beherrschenden Lage kreuzten sich zwei alte überregionale Handelswege, die Hohe Straße oder auch Antsanvia aus dem Untermaingebiet über den Vogelsberg in das östliche Deutschland und ein keltischer Weg aus dem Südosten Deutschlands nach Köln und weiterreichenden Bezügen. Mit der Ausgrabung des Keltenfürsten einer (über-) lebensgroßen Sandsteinfigur aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. bekam die Keltenforschung in der Region neuen Schwung, äußerlich sichtbar in dem Museumsneubau, dessen Außenhaut die eisenzeitlichen Bezüge repräsentiert. Die sehenswerte und informative Ausstellung lädt zum Wiederkommen ein. Besser plant ihr schon jetzt den Besuch der Sonderausstellung „Mythos Kelten? Auf Spurensuche in Europa“ ein. Vielleicht findet ihr auch heraus, warum der Keltenfüst so große „Ohren“ hat. Eine Deutung verliert sich in „Mistelzweigen“ als Priestersymbol. Kann es auch nur eine Verbesserung des Hörsinnes bedeuten? Im besten Falle auf das Volk hören, im schlechtesten im Stile Joseph Fouchés, dem napoleonischen Polizeiminister, ein „Informationsnetzwerk“ betreiben. Auch im Radsport finden wir die „Ohren“ wieder am Helm des Schrittmachers, um die Kommandos des Stehers hören zu können …

Keltenfürst am Glauberg Schrittmacher Karsten Podlesch mit
Fahrer Timo Scholz 2011 in Bielefeld

Jetzt lasst uns zügig zum Ende dieser Beschreibung kommen. Hinter Limeshain treffen wir die Radlerinnen und Radler der 45-Kilometertour wieder, überqueren vor Altwiedermus einen Höhenrücken, von dem wir einen ersten Blick auf die Ronneburg erhaschen, eine zu Beginn des 13. Jahrhunderts von den staufischen Königen auf dem steilen Basaltsporn des Fallbachtales errichtete Sicherungsburg der kaiserlichen Wetterau. Auch zur Kontrolle und zum Schutz der Reisenden, der Händler auf der bereits erwähnten „Hohen Straße“. Die Ronneburg ist auch einen Ausflug wert. Dem mittelalterlichen Leben kann nachgespürt werden. Auch die kulinarischen Bedürfnisse kommen nicht zu kurz.

Ronneburg

Das Letztere findet ihr aber auch am Ziel in Langenselbold, zu dem wir auch nach einer Zeitreise sicher zurückfinden.

 

Bildnachweise:

Langenselbold_Schloßpark_Kirche
Urheber:  Tilman2007, Eigenes Werk
Lizenz:      CreativeCommons CC BY-SA 4.0
Aus:    https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Langenselbold,_Schlo%C3%9Fpark_2,_Ev._Kirche,_Schlo%C3%9Fpark_3-20160922-001.jpg?uselang=de

Klosterkirche Ilbenstadt
Urheber: Haselburg-Müller, Eigenes Werk
Lizenz:    CreativeCommons CC BY-SA 3.0
Aus:         https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Klosterkirche_Ilbenstadt01.jpg

Gottfriedsbogen Kloster Ilbenstadt
Urheber: Lumpeseggl, Eigenes Werk
Lizenz:    CreativeCommons CC BY-SA 3.0
Aus:         https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kloster_Ilbenstadt_Gottfriedsbogen_2015.jpg

Keltenwelt am Glauberg – Museum/Ausblick
Urheber: Wihelm Schröder, Eigenes Werk
Lizenz:    CreativeCommons CC BY-SA 4.0
Aus:         https://www.rc03-ilbenstadt.de/

Keltenfürst am Glauberg
Urheber: Heinrich Stürzl, Eigenes Werk
Lizenz:    CreativeCommons CC BY-SA 3.0
Aus:         https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Keltenf%C3%BCrst_Glauberg_vorne_links_1.JPG

Schrittmacher Karsten Podlesch mit Fahrer Timo Scholz in Bielefeld
Urheber: Christian Passenheim, Eigenes Werk
Lizenz:    CreativeCommons CC BY-SA 3.0
Aus:        https://commons.wikimedia.org/w/index.php?search=karsten+podlesch&title=Special:Search&go=Go&searchToken=42g9wptdu6kpdb1p6wzozl3cb#/media/File:Steherrennen_Bielefeld_2011.jpg https://www.rc03-ilbenstadt.de/

Ronneburg – beide Bilder
Urheber: Wihelm Schröder, Eigenes Werk
Lizenz:    CreativeCommons CC BY-SA 4.0
Aus:         https://www.rc03-ilbenstadt.de/

45 Kilometertour

82 Kilometerrour:

101 Kilometertour